Artikel aus der AZ vom 16.12.2004
|
|
|
Die "Schauspielschule" wollte kein Jugendlicher verweigern AZ-Adventsaktion: Cornelia Dörris Theater-Workshop beim "Motivia"-Projekt |
|
Aachen. "Aber wenn wir alle mitmachen, machen wir uns doch auch nicht lächerlich", bemerkte einer. Dem konnten die anderen Jugendlichen nicht widersprechen. Der Bann war gebrochen, und die junge Schauspielerin Cornelia Dörr konnte im Rahmen der Adventsaktion von Theater und AZ aktiv werden - mit einem Theaterworkshop in der Richardstraße im Aachener Suermondtviertel. Dorthin kommen täglich zwölf Schulverweigerer zwischen 14 und 16 Jahren, die im Projekt "Motivia" vom Verein "In Via" betreut werden. Dörr begann mit einfachen Schauspielübungen zu Körperbewusstsein, Wahrnehmung und Stimme nach dem Motto: "Da kann man nichts richtig oder falsch machen." Erste Reaktionen wie "Ich spiel doch den ganzen Tag Theater" parierte sie gelassen. Schließlich schaffte sie es, die Jugendlichen sogar für kleine Rollenspiele zu begeistern. Die Schauspielerin, die in Kürze in der Premiere des Stückes "Bistro Martino" auf der Bühne steht, engagiert sich sehr für Jugendliche. Sie leitet auch den Jugendclub des Theaters. Deshalb war sie trotz der Endproben gerne bereit, mit den Schulverweigerern zu arbeiten. Nach dem vormittäglichen individuellen Schulunterricht nehmen die Jugendlichen bei "Motivia" in kleinen Gruppen an der Hauswirtschaft, am Werk- und Computerunterricht und an Kreativ- und Sportangeboten teil, erklärte Hildegard Kaufmann von "Motivia". Das Projekt läuft in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt der Stadt und der Bischöflichen Marienschule, einer Schule für Erziehungshilfe. Einige der Jugendlichen waren bis zu zwei Jahre nicht mehr in einer Regelschule, die Gründe dafür sind sehr vielschichtig. In der Betreuung bei "Motivia" werden sie aufgefangen. "Am Ende haben alle eine neue Perspektive. Wir geben ihnen Strukturen für den Alltag und machen sie fit für ihr eigenes Leben." Theaterpädagogin Katrin Eickholt beschreibt die Idee der Aktion: "Wir wollen Jugendlichen, die oft eine Abwehrhaltung haben, Lust auf etwas Neues machen, ihre Neugierde zwecken." Als tolle Sache sah auch Hildegard Kaufmann den Workshop: "Theater ist nicht immer das, was die Jugendlichen sich darunter vorstellen." (kp) |