Kreis Aachen. Schule und Jugendhilfe galten über Jahrzehnte als zwei getrennte Systeme. Erst in den vergangenen Jahren haben die Verantwortlichen erkannt, dass zum Wohle der Jugendlichen und ihrer Familien eine Kooperation Not tut. „Schule und Jugendhilfe müssen eine gesellschaftliche Verantwortung übernehmen“, betont Walter Reuß, Schulamtsdirektor des Kreises Aachen. Und das belegt er mit einer Zahl: „Bundesweit erreichen 22 Prozent der Schüler nur das unterste schulische Leistungsniveau. Sie sind somit immer weniger in der Lage, den Übergang ins Berufsleben und damit in eine sich selbst tragende Existenz zu gestalten.“
Zentrale Themen seien bei der Kooperation etwa Gewalt an Schulen oder auch Schulmüdigkeit, vor allem an Sonder- und Hauptschulen. Im zunehmenden Maße komme der Ganztagsbereich – in allen Schulformen – hinzu. Reuß: „Dabei wächst die schulische und die nicht-schulische Pädagogik zusammen.“ Jugendtreffs, Kulturzentren oder auch Angebote des Kommissariats Vorbeugung der Polizei zählen dazu.
Der erste Schritt zu einer engeren Zusammenarbeit sei im Kreis vor fünf Jahren getan worden, erläutert der Schulamtsdirektor. Jugendämter und Schulen hätten sich zusammengesetzt und vor allem Informationen ausgetauscht. Denn fehlende Kenntnisse hätten früher oft zu Missverständnissen geführt. Der zweite Schritt folgte bald. „Wichtig ist, dass inzwischen feste Strukturen etabliert worden sind“, sagt Reuß. So gebe es an vielen Schulen Koordinatoren, die regelmäßig Kontakt zu den Jugendämtern vor Ort hätten. Und so wichtig der Überbau auch sei, nur lokal könnten Probleme individuell gelöst werden. Ein Beispiel ist das in Alsdorf gestartete Projekt „Motivia“ für Schulmüde. „Zwölf Jugendliche, die nicht mehr zur Schule gegangen sind, werden beschult“, erzählt Reuß.
Auch in der Stadt Aachen sprießen seit ein, zwei Jahren Projekte aus dem Boden. „Die Kollegen machen die Schritte zwar später, aber dafür sehr große“, sagt Reuß. Auf einer ersten gemeinsamen Tagung haben sich jetzt Vertreter aus Stadt und Kreis sowie der Katholischen Fachhochschule getroffen, Ansätze ausgetauscht und Formen der Zusammenarbeit ausgelotet. „Wie der Titel der Tagung bereits signalisierte: Kooperation lohnt sich immer“, sagt Reuß. Ob zwischen Stadt und Kreis oder zwischen Jugendhilfe und Schule.
Auch wenn es bei Letzterem immer mal wieder Sand im Getriebe gegeben habe. Reuß: „Beide Seiten mussten lernen, dass Schule nicht um 13 Uhr zu Ende ist.“ Das heiße auch, dass beide Systeme bereit sein müssen, vor allem personelle Ressourcen zur Verfügung zu stellen. „Nur so geht es.“ Und es geht. Denn in einem seien sich alle Beteiligten einig: „Die Arbeit ist sinnvoll.“ (udo) |